Unterstützung im Alltag durch Technik

Alte und neue Technologien können das Leben erleichtern. Inzwischen gibt es viele technische Möglichkeiten und Dienstleistungen, die das Alltagsleben von Menschen, insbesondere von älteren, erleichtern und für mehr Sicherheit sorgen. Gleichzeitig helfen technische Unterstützungssysteme nicht nur älteren Menschen, sondern auch Menschen mit Behinderungen oder pflegenden Angehörigen.

Es werden 3 Technik-Generationen unterschieden. mehr

1. Generation: assistive Geräte, die physische und sensorische Fähigkeiten unterstützen, z. B. eine elektrische Aufstehhilfe oder ein Treppenlift
2. Generation: vernetzte Geräte ohne Interaktion, die Daten an einen Dienstleister (oder z. B. Angehörige) übertragen, beispielsweise ein Fitnessarmband oder ein modernes Hausnotrufsystem
3. Generation (Ambient Assisted Living - AAL): vernetzte Geräte mit Datenaustausch, die eigenständig und unsichtbar eine Aktion auslösen, ohne dass jemand etwas dafür tun muss. So löst beispielsweise der Sturzsensor im Teppich automatisch ein Sprachsteuersystem aus, oder aber die Kamera einen Notruf, sobald jemand gestürzt ist. Auch Smart Home-Lösungen gehören zur 3. Generation.

Wo gibt es Information und Beratung?

In Niedersachsen gibt es kein flächendeckendes Netz für Technikberatung. Fragen Sie in den Wohnberatungsstellen Link oder Musterwohnungen Link nach, ob eine Technikberatung angeboten wird oder ob dort Technikberatung vermittelt werden kann. Darüber hinaus bietet das Niedersachsenbüro Fortbildungen rund um das Thema Wohnberatung an. Link mehr

In Hannover Link und im LK Verden Link gibt es spezielle Technikberatung.

Hier finden Sie eine Liste mit Produktdatenbanken, Filmen, Broschüren, Studien und Musterausstellungen: pdf
Eine Auswahl aus der Liste finden Sie unten stehend.

Produktübersichten

Produktdatenbanken und Produkthandbücher können zur Orientierung dienen, um passende Produkte zu finden. Diese sortieren die Produkte nach Kategorien wie z. B. "Komfort" oder "Demenz". Viele Suchergebnisse bestehen aus einem Produktbild, ergänzenden Informationen sowie einem Link zum Hersteller. Teilweise können auch Produkte nach Anwendungsfällen wie Sturz oder Beeinträchtigungen wie z. B. Seheinschränkungen gefiltert werden. Als ergänzendes Kriterium bieten einige Übersichten auch die Filterung nach Datenschutzverhalten und Kosten an. Wenn vorhanden wird auch die Hilfsmittelnummer der Geräte abgebildet.

  • Ein Onlinekatalog für assistive und smarte Technologien: Es werden nicht nur Produkte vorgestellt, sondern auch der Einfluss auf unterschiedliche Bereiche der Lebensqualität beleuchtet. Link
  • Online-Produktdatenbank der Mozilla Foundation: Hier gibt es intelligente Geräte und Smart Home-Systeme mit Informationen zu deren Datenschutzverhalten. Link
  • Der Wegweiser Alter und Technik ist eine Produktdatenbank mit über 200 Produkten aus unterschiedlichen Bereichen. Die Datenbank kann nach Anwendungsfällen und Beeinträchtigungen gefiltert werden (FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie). Link
  • Rehadat ist ein unabhängiges Informationsangebot u. a. zu förderfähigen (technischen) Hilfsmitteln. Link
  • Produktdatenbank Digitale Geräte zur Unterstützung und Komfortsteigerung Link
  • Die Wiqqi-Datenbank präsentiert die Produkte nach Fällen, Problemen und Lösungen. Nutzende finden die gewünschten technischen Lösungen durch umfangreiche Filter - so kann beispielsweise bei Rauchmeldern abgefragt werden, ob die Batterie fest verbaut ist, die LEDs nachts nicht blinken sollen oder ob ein Blitzlichtsignal für Menschen mit Höreinschränkungen koppelbar ist. Link
  • Produktdatenbank Null Barriere Link
  • Produktschau Barrierefrei Leben Link

    Broschüren
  • Produkthandbuch "Wohnen mit technischer Unterstützung": Geräte, Einsatzfelder, Kosten mit Datenschutzampel. Wenn vorhanden werden Hilfsmittelnummern zur Finanzierung benannt. (Kommunaler Seniorenservice Hannover) pdf
  • Technische Produkte zur Unterstützung von Menschen mit Demenz (Demenzsupport) pdf
  • "Besser leben mit Komfort und Qualität", Handbuch 2021, Gesellschaft für Gerontotechnik Link

    Weitere Produkte finden Sie unter dem Stichwort "Alltagshilfen" Link, unter der Rubrik "Wohnungsanpassung" Link, und Hilfmittel für Menschen mit Seh- und Hörbeeinträchtigung finden Sie hier. Link

Produktvorstellungen

In dieser neuen Kategorie stellen wir Ihnen regelmäßig Produkte aus dem Bereich Ambient Assisted Living und Smart Home vor, die den Alltag von älteren Menschen und pflegenden Angehörigen erleichtern. Diese technischen Hilfsmittel können nur wirken, wenn sie richtig bedient und von den Nutzenden akzeptiert werden. Letzteren Aspekt haben viele Angehörige schon erlebt, wenn sie ihrer Mutter oder ihrem Vater ein Hilfsmittel wie einen Rollator schmackhaft machen wollten. Nicht immer wird ein Hilfsmittel sofort akzeptiert. Technische Hilfsmittel, die eine unbekannte Bedienung mit sich bringen, haben es nicht immer einfach. Je weniger das Gerät widerspiegelt, dass eine Person Hilfe und Pflege benötigt, umso besser kann das technische Hilfsmittel angenommen werden. Deshalb braucht es technische Assistenzsysteme mit einer einfachen Bedienung und gutem Nutzen.

Geräte mit Sprachsteuerung sind einfach zu bedienen und setzen keine umfangreichen technischen Erfahrungen voraus. Der sprachgesteuerte Notruf CARU erfüllt diese Anforderungen. Link CARU ist ein Hausnotrufsystem mit Sprachsteuerung für zu Hause. Es können bis zu fünf Telefonnummern von der Familie und von Freunden eingespeichert werden. Ruft die hilfsbedürftige Person „Hilfe-Hilfe“, wird im Notfall der Kontakt zu den eingespeicherten Telefonnummern aufgebaut. mehr

Optional kann auch ein Notrufarmband erworben werden. Durch Drücken der Notruftaste und den Sprachbefehl „Hilfe-Hilfe“ ist schnelle Hilfe garantiert. Darüber hinaus kann CARU Sprachnachrichten an die Familie senden und empfangen – ohne die Bedienung eines Smartphones. Das Gerät benötigt eine Internet- und Telefonverbindung. Aufgrund einer eingebauten SIM-Karte brauchen die Seniorinnen und Senioren keinen separaten Internetanschluss. Die Firma ist zwar in der Schweiz ansässig, ist aber auch in Deutschland im Einsatz.

Geräte mit Sprachsteuerung wie CARU helfen auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, indem diese mit ihren Angehörigen kommunizieren können, ohne extra aus dem Sessel zum Telefon zu gehen oder aufwendig die Bedienung und Funktionen eines Smartphones zu erlernen. Weiterhin profitieren Menschen mit Seheinschränkungen von smarten Geräten mit Sprachsteuerung. Das mühsame Suchen von Tasten auf den Geräten hat damit ein Ende.

 

Virtuelle Brillen bieten unzählige Möglichkeiten, Museen zu erkunden, in einem Wald spazieren zu gehen, unter Wasser zu tauchen und Urlaubsziele auf der ganzen Welt anzuschauen. Und das alles in der eigenen Wohnung. Umfangreiche digitale Kompetenzen werden bei den Nutzenden nicht benötigt. Ist die Technik vorbereit wird die Virtual Reality-Brille aufgesetzt und los geht’s. Für die Nutzenden wirken die 360-Grad-Aufnahmen realistischer als auf einem Bildschirm, da die Aktivitäten sich fast so anfühlen als würde man in einem realen Wald spazieren gehen. mehr

Ergänzend können über Kopfhörer Geräusche wie Vogelzwitschern eingespielt werden. Das kommt dem realen Laufen durch den Wald recht nah. Damit können auch Seniorinnen und Senioren an digitalen Möglichkeiten teilhaben und mehr Selbstbestimmung erfahren. Dieses umfangreiche Erleben der virtuellen Welt wird als Immersion bezeichnet. Auch wenn ältere Menschen in ihrer Mobilität eingeschränkt sind können sie sich durch Drehen des Kopfes in den Videos bewegen. Schaut die Person nach oben, sehen die Nutzenden die Baumkronen und den Himmel. Einige Produkte ermöglichen sogar ein Laufen durch den Wald durch spezielle Kontroller. Die Nutzenden können dabei sitzen bleiben.

Virtual Reality-Systeme sind nicht nur bei jüngeren Menschen beliebt. Mehrere Studien zeigen, dass Seniorinnen und Senioren sportliche Betätigungen als kurzweiliger empfanden und motivierter dadurch waren. Andere Studien belegen, dass über diese digitalen Welten das Schmerzempfinden verringert sowie auch kognitive Leistungen verbessert werden können. Weiterhin bringt ein Virtual Reality-System Spaß und Entspannung, und nicht zuletzt können persönliche Erinnerungen durch die Auseinandersetzung mit Erlebnissen im Rahmen von Biographiearbeit z. B. bei Menschen mit Demenz in den ersten Phasen aktivierend eingesetzt werden. Dafür können bestehende Anwendungen genutzt werden, oder spezialisierte Firmen drehen z. B. an der Ostsee ein individuelles 360-Grad-Video. Darüber hinaus bieten Virtual Reality-Anwendungen auch Gesprächsanlässe ,vor allem wenn alte Erinnerungen aktiviert werden oder Aktivitäten wie das Tauchen durch Korallenriffe. Virtuelle Videos und Spiele sollten extra für  ältere Zielgruppen angepasst sein und diese nicht überfordern.

Die Firma Granny Vision Link bietet vorbereitete Virtual Reality-Brillen und -Anwendungen im Bereich Natur & Entspannung, Bewegung & Aktivitäten, Reisen & Kultur sowie die Möglichkeit, eigene Inhalte wie Familienfotos, Urlaubsvideos und Grußbotschaften digital aufzubereiten. Bestehende Unternehmen fokussieren häufig die Betreuung im Pflegeheim oder den Einsatz in Kliniken. Granny Vision adressiert auch an Angehörige, die ihrer Mutter oder ihrem Vater schöne Momente ermöglichen wollen. So können in Zeiten der Covid-19-Pandemie persönliche Videos z. B. von den ersten Schritten des Urenkels Nähe schaffen.

 

Virtuelle Musterwohnungen und Filme

  • Musterwohnung mit dem Schwerpunkt Technik: Smarte Musterwohnung Hannover Link
  • Musterwohnung ALADIN (Alltagsunterstützende Assistenzsysteme mit Dienstleistungen) Link
  • Erklärfilm vom AAL-Netzwerk Saar zu technischen Assistenzsystemen und deren Möglichkeiten für unterschiedliche Bedarfe und Generationen (4,5 Min.), 2016 Link
  • Smart Home: mit technischen Assistenzsystemen altersgerecht wohnen (5,5 Min.), 2019 Link
  • Einstiegsfilm: Vernetztes Wohnen im Quartier (7,5 Min.), 2014 Link 
  • Satirischer Film: Leben im Smart Home und Internet der Dinge (2 Min.), 2016 Link

    Weitere Musterwohnungen sowohl digital als auch vor Ort finden Sie hier. Link

Anwendungsbeispiele für den Einsatz von Technik

Patrick Ney vom Kommunalen Seniorenservice Hannover stellt an konkreten Fallbeispielen dar, wie moderne Technik den Alltag erleichtern kann. Weitere Beispiele folgen.
Moderne Technik kann sehr hilfreich sein, darüber hinaus ist aber auch zu bedenken, welche herkömmlichen Maßnahmen hilfreich(er) sein können, was vor Ort machbar ist und wie die Technik von den sie nutzenden Menschen angenommen wird.

Wie die moderne Technik bei demenziellen Veränderungen unterstützen kann

Die Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz im Alltag ist nicht immer einfach. Diese Erfahrung machen viele Menschen, die ihre demenziell veränderten Angehörigen im täglichen Leben unterstützen, so auch Laura. Die leichte Demenz ihrer Mutter zeigt sich im Alltag an kognitiven Beeinträchtigungen, indem sie sich zeitlich schwierig orientieren kann oder sie immer häufiger den Herd anlässt. Technische Hilfen zur zeitlichen Orientierung, zur Ortung, zur Aktivierung und zum Erhalt der Sicherheit können unterstützen. mehr

Mit Hilfestellung des Mannes bewältigt die Mutter die täglichen Aufgaben des Haushalts. Nach Arztterminen oder Friseurbesuchen findet sie teilweise nicht allein nach Hause zurück, obwohl sie die gleichen Wege seit über 20 Jahren geht. Dinge, die ihr früher Freude bereiteten wie im Garten zu arbeiten oder im Chor zu singen interessieren sie immer weniger. Die Mutter möchte zunehmend häufiger zu Hause bleiben.  

Um die Veränderungen bei ihrer Mutter zu verstehen und zu besprechen, besucht Laura seit einiger Zeit eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Menschen mit Demenz. Solche Gruppen gibt es überall, die Deutsche Alzheimer Gesellschaft kann hier helfen. Neben Wissen zur Erkrankung verstand Laura immer mehr, wie es ihrer Mutter geht und dass sie mit dieser belastenden Situation nicht allein ist. In ihrer Angehörigengruppe erfuhr Laura von technischen Assistenzsystemen und einer Technikberatung. Die Technikberatung unterstützt ältere Menschen und Angehörige, passgenaue Lösungen in Form technischer Assistenzsysteme zu finden. Ziel ist es, die Selbstständigkeit und Selbstbestimmung der Betroffenen zu erhalten sowie Angehörige zu entlasten und ihnen das Gefühl von Sicherheit zu geben. Angehörigen wie Laura sind technische Assistenzsysteme für zu Hause häufig nicht bekannt.

Laura war Anfangs skeptisch im Hinblick darauf, was eine Technikberatungsstelle für sie in der Betreuung ihrer Mutter tun könnte. Ihre Mutter ist wenig technikinteressiert, und durch ihre Demenz fällt es ihr schwer, neue Dinge zu erlernen und mit Veränderungen umzugehen. Moderne Technik als Hilfestellung klingt eher nach noch mehr Verwirrung und Fragen bei demenziell veränderten Menschen. Die Beratungsstelle hat nach einem Gespräch Laura einige technische Assistenzsysteme vorgeschlagen. Um Lauras Mutter, den Ehemann und die Tochter zu unterstützen wurden vier technische Assistenzsysteme ausgewählt, die kein spezielles Technikwissen voraussetzen. Die Technik unterstützt im Hintergrund und benötigt keine aktive Bedienung durch die demenziell veränderte Mutter.

Technik zur zeitlichen Orientierung

Ein digitaler Kalender mit Uhranzeige soll bei der zeitlichen Orientierung helfen. Zudem zeigt der digitale Kalender den Tagesabschnitt wie Tag oder Nacht an. Bei einigen Modellen unterstützt eine Erinnerungsfunktion bei anstehenden Terminen.
In der Musterwohnung der Beratungsstelle hat Laura die Seniorenuhr AMC-26 ausprobiert Link. Die große Schrift, die analoge Zeitanzeige sowie die Darstellung des Wochentages und des Tagesabschnitts überzeugten Laura. Mit diesem digitalen Hilfsmittel kann die zeitliche Orientierung eines an Demenz erkrankten Menschen unterstützt werden.

Technik zur Erhöhung der Sicherheit

Als weiteres technisches Assistenzsystem zeigte die Technikberatung Laura die automatische Herdabschaltung. Die Mutter kocht mit Hilfestellung durch ihren Mann regelmäßig. Von Zeit zu Zeit hat die Mutter den Elektroherd vergessen auszuschalten. Bis auf angebranntes Essen ist bisher noch nicht viel passiert. Aus Sorge wollte die Familie schon den Herd vom Strom trennen, damit kein Herdbrand entstehen kann. Essen von mobilen Diensten schmeckten der Mutter und dem Ehemann, weshalb sich die Familie entschied, den Herd weiterhin am Strom zu lassen, trotz eines unsicheren Gefühls. Eine automatische Herdabschaltung für den vorhandenen Elektroherd war hier die Lösung. Bei zu hoher Temperatur oder nach einer festen Zeitspanne schaltet der Herd sich automatisch aus. Die Herdabschaltung beobachtet das Kochfeld, wenn der Herd angeschaltet wird, ohne weitere Bedienung. Das Modell Elsa der Firma Scanvest Link besteht aus einer Steuereinheit und einem Hitzesensor. In der Musterwohnung war der Hitzesensor an der Dunstabzugshaube montiert. Die Steuereinheit wird zwischen Stromversorgung und Herd durch einen Elektriker installiert. Wenn der Sensor der automatischen Herdabschaltung eine ungewöhnliche Hitzeentwicklung wahrnimmt, wird der Nutzer mit einem akustischen Signal in Form eines Pieptons informiert. Steigt die Temperatur weiter auf einen kritischen Punkt wird die Stromzufuhr beendet. Nach Stromabschaltung des Herdes kann eine Taste am Hitzesensor gedrückt und der Herd wie gewohnt weiter genutzt werden. Diese technische Lösung überzeugte Laura schnell - zum einen kann die Mutter weiterhin kochen, zum anderen ist die Gefahr von Bränden verringert.

Technik zur Ortung

Um Lauras Mutter draußen auf ihren alleinigen Spaziergängen oder Erledigungen, wenn der Ehemann selbst Termine hat, zu unterstützen gibt es Ortungssysteme. Wie beschrieben hat sich die Mutter bereits einige Male verlaufen. Laura kannte Ortung nur vom Navigationsprogramm auf ihrem Smartphone. Ortungssysteme funktionieren im Freien über GPS, dabei wird die eigene Position mit Hilfe von Satelliten bestimmt. Kann die Person nicht geortet werden, bspw. in Gebäuden oder zwischen hohen Häusern, wird die letzte Position gespeichert. Ortungssysteme für Menschen mit Demenz gibt es in verschiedenen Ausführungen als Uhr, Armband, Mobiltelefon oder separaten Geräte für die Jackentasche. Da Lauras Mutter zudem leichte Gehprobleme hat, schien die Ortung über einen intelligenten Gehstock am sinnvollsten. Auch bei diesem technischen Hilfsmittel muss Lauras Mutter nichts weiter tun, außer ihn zu benutzen. Der Smartstick der Firma Ossenberg Link hat im Gehstock einen Ortungssensor und eine Mobilfunkkarte verbaut. Über eine eingebaute, aufladbare Batterie wird der Gehstock mit Strom versorgt. Einen Gehstock mit Strom fand Laura beim Ausprobieren zunächst etwas ungewohnt. Neben dem Ortungssensor hat der intelligente Gehstock noch einen Notrufknopf. Bei Auslösen des Notrufknopfes werden die vorab eingespeicherten Angehörigen über die Mobilfunkkarte im Gehstock informiert. Über ihr Smartphone kann Laura die Position ihrer Mutter auf einer digitalen Karte sehen und im Notfall helfen. Mit dem Smartphone hat Laura einen Radius eingestellt, der bis zum Friseur und zum Hausarzt der Mutter reicht. Verlässt Lauras Mutter den Radius, häufig als Geofencing bezeichnet, wird sie sofort auf dem Smartphone darüber informiert. Dass Laura ihre Mutter mit dem intelligenten Gehstock im Bedarfsfall orten kann erleichtert sie, gleichzeitig wird die Mobilität der Mutter erhalten.

Technik zur Aktivierung von Menschen mit Demenz

Pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz, wie Laura, fragen sich häufig, wie die betroffene Person beschäftigt und gleichzeitig aktiviert werden kann. Letzteres ist wichtig, um bspw. Erinnerungen zu erhalten und das Gedächtnis zu trainieren. Begeistert war Laura vom Therapieball icho Link. Dieses technische Assistenzsystem leuchtet in mehreren Farben, hat unterschiedliche Strukturen, vibriert und spielt Musik und Klänge ab. Je nachdem was der Nutzer mit dem Ball macht bspw. beim Schütteln reagiert der Therapieball icho anders. Das Gerät hat zehn Anwendungen wie Rätsel, Märchen, Sprichwörter oder Musik installiert. Vor allem die Musikanwendung schien Laura für ihre demenziell veränderte Mutter am geeignetsten. Sie hat früher im Chor gesungen und singt oder summt auch jetzt noch gerne zu bekannten Liedern. Teilweise hat sie den Text der Lieder vergessen. Wenn der intelligente Ball bewegt wird beginnt die Musik, hört die Bewegung auf wird das Lied beendet. Die Lieder können dann mitgesungen werden und helfen beim Vergessen des Textes. Laura hat der Ball Spaß gemacht, auch als nicht dementer Person. All diese Anwendungen wecken Erinnerungen und laden zu Gesprächen darüber ein.

Bei Demenz Hilfsangebote nutzen und ausprobieren

Laura war beeindruckt, was es alles für technische Assistenzsysteme gibt und dass diese bei Menschen mit Demenz Orientierung, Sicherheit, Mobilität und Aktivierung unterstützen können. Die Geräte sind zwar nicht alle preisgünstig, doch für ihre von Demenz betroffene Mutter und deren Betreuung hat Laura den digitalen Kalender, die automatische Herdabschaltung, den Gehstock mit Ortungsfunktion und den Therapieball gekauft. Die Geräte wurden von der Mutter sehr gut angenommen, obwohl es neue unbekannte Geräte zu Hause waren. Es sind zwar technische Hilfsmittel, doch Lauras Mutter nimmt diese gar nicht als moderne Technik wahr. Die Technik arbeitet im Hintergrund und hilft.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Demenz Link

 

Sicher und komfortabel wohnen mit moderner Technik

Mit zunehmendem Alter nimmt auch das Sicherheitsbedürfnis der Menschen zu. Moderne Technik wie elektrische Türschlösser, digitale Türspione, Tür- und Fensterkontaktsensoren sowie sensorgesteuerte Orientierungslichter können Sicherheit und Komfort bringen. mehr

Nicht nur das eigene Sicherheitsbedürfnis steigt mit dem Alter, sondern auch Angehörige wünschen sich , dass es ihrer Mutter oder ihrem Vater gut geht und sie im Notfall schnell Hilfe erhalten. In dieser Situation hilft es niemandem, darauf zu vertrauen, dass schon nichts passieren wird. Hier können frühzeitige Anpassungen des Zuhauses durch bauliche Veränderungen sowie moderne Technik Sicherheit und Komfort bringen.

Eine barrierefrei oder barrierearm gestaltete Wohnumgebung hilft, Schwellen im Bad oder auf dem Balkon zu senken sowie Stolperfallen durch Teppichkanten zu beseitigen. In Ergänzung zu den baulichen Anpassungen kann moderne Technik unterstützen. Neben dem Hausnotruf gibt es zahlreiche technische Assistenzsysteme, die im Alltag ausgesprochen hilfreich sind. Je nach Bedarf kann intelligente Technik im eigenen Zuhause verbaut werden. Einige der Geräte benötigen nicht nur Strom, sondern einen Internetanschluss. Über das Internet können auch Angehörige sehen, ob es Mutter oder Vater gut geht, auch wenn sie nicht in der Nähe wohnen. Die Information von Angehörigen über das Internet ist die eine Option. Es gibt aber auch zahlreiche Geräte, die ohne Internet funktionieren. Wohnungen mit technischen Assistenzsystemen, die einen Internetanschluss benötigen, sammeln persönliche Daten, um im Notfall Hilfe zu rufen. Ohne Datenerfassung könnte die intelligente Technik die Gefahrensituationen nicht automatisch analysieren und Angehörige informieren. Es gibt zahlreiche Geräte, die ihre Daten vor Einsicht von Dritten schützen. Informieren Sie sich und fragen Sie nach. Technikberatungsstellen wie die vom Fachbereich Senioren der Landeshauptstadt Hannover unterstützen Sie.

Was gibt es konkret, um das Zuhause im Alter sicher und komfortabel zu gestalten?

Elektrisches Türschloss

Als erstes kann ein elektrisches Türschloss den Zutritt zu Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus sicherer machen. Mit elektrischen Türschlössern wie dem Nuki Smart Lock 2.0 Link können Sie Ihre Eingangstür mit einem normalen Schlüssel und einem digitalen Schlüssel oder sogar über Sprache öffnen und schließen. Dazu wird das Gerät an der Türinnenseite installiert. Nun kann von außen, wenn vorhanden, über ein Smartphone oder eine Schlüsselfernbedienung die Tür geöffnet und geschlossen werden. Wenn Sie Ihren Einkauf nach Hause tragen und keine Hand frei haben, sperrt das elektrische Türschloss bei Annäherung ihre Hauseingangstür auf. Das ist nicht nur komfortabel, sondern vor allem für ältere Menschen eine Unterstützung. Zittern die Hände bspw. durch Parkinson, kann das Einführen des Schlüssels in das Schlüsselloch eine Herausforderung sein. Auch wenn die Kraft in den Händen nachlässt, kann das Drehen des Schlüssels beschwerlich sein. Wenn Sie Schwierigkeiten beim Laufen haben, müssen Sie sich nie wieder beeilen, denn wenn es an der Haustür klingelt, öffnen Sie die Tür einfach mit einem Sprachbefehl über die App auf dem Smartphone. Weiterer Vorteil von elektrischen Türschlössern ist, dass Sie nie wieder einen Schlüssel nachmachen lassen müssen, wenn Sie ihn verloren haben oder einem Angehörigen einen Zweitschlüssel geben wollen. Über eine App auf dem Smartphone können Sie den Angehörigen Ihren digitalen Schlüssel senden.

Digitaler Türspion

Auch ein digitaler Türspion von Burg eGuard Link erhöht die Sicherheit, wenn Sie auf einem kleinen Bildschirm an der Türinnenseite sehen, wer vor der Tür steht, bevor Sie diese öffnen. Sie müssen sich nie wieder als kleine Person strecken, um an den optischen Türspion zu gelangen. Drücken Sie auf eine Taste am Bildschirm und Sie sehen die Person außerhalb der Wohnung. Der digitale Türspion hilft auch Menschen mit Seheinschränkungen, wenn sie den anderen auf der Gegenseite auf dem Bildschirm sehen können. Einige Geräte verfügen zudem über einen integrierten Bewegungsmelder und schalten den Bildschirm auf der Türinnenseite an, sobald eine Bewegung draußen wahrgenommen wird. Vernetzte digitale Türspione wie die Ring Door View Cam Link übertragen das Bild der Person vor der Tür auch über ein Smartphone oder informieren über eine vorhandene Sprachsteuerung. Wenn Sie den digitalen Türspion an der eigenen Wohnungstür installieren, benötigen Sie keine behördliche Genehmigung, da Sie keine Privatsphäre Dritter dauerhaft einschränken.

Tür- und Fensterkontaktsensoren

Weiterhin können intelligente Tür- und Fensterkontaktsensoren der Firma Bosch Link die eigene Wohnung sicherer machen. Tür- und Fensterkontaktsensoren bestehen aus zwei Teilen, die auf gleicher Höhe parallel zueinander zum Beispiel am Fensterrahmen installiert werden. Haben die beiden Sensoren miteinander Kontakt, ist alles in Ordnung. Sie können sich die Funktionsweise ähnlich wie eine Lichtschranke vorstellen. Wird das Fenster geöffnet, verändert sich der Abstand zum Gegenstück. Die Sensoren informieren Sie, ob Haustür oder Fenster geschlossen oder geöffnet sind. Dies erfolgt über eine App auf dem Smartphone oder über ein Sprachsteuerungssystem. Um die Wohnung vor Einbrüchen zu sichern, können die Tür- und Fensterkontaktsensoren mit Sirenen verbunden werden. Registrieren die Sensoren ein ungewolltes Öffnen der Fenster, zum Beispiel in der Nacht oder wenn Sie unterwegs sind, werden Sie sofort optisch und akustisch informiert. Sie stellen ein, wann und wo ein Alarm ausgelöst werden soll, schließlich wollen Sie keine lauten Sirenen hören, wenn Sie selbst in der Wohnung sind und ein Fenster zum Lüften öffnen. Tür- und Fensterkontaktsensoren können ihnen auch helfen, Heizkosten zu sparen. Intelligente Heizkörperthermostate können auch mit den Sensoren verbunden werden. Öffnen Sie die Balkontür zum Lüften, senkt sich automatisch die Heiztemperatur ab. Schließen Sie die Balkontür wieder, heizt die Heizung weiter. Damit bieten intelligente Tür- und Fensterkontaktsensoren auch älteren Menschen Sicherheit zu Hause und geringe Heizkosten. Weiterhin erfahren Angehörige von Menschen mit Demenz Entlastung, wenn Mutter oder Vater die Haustür öffnen. Angehörige können sich über die passende App auf dem Smartphone rechtzeitig informieren lassen gegebenenfalls und Hilfe einleiten.

Orientierungslicht für die Nacht

Um die Sicherheit im Alter zu Hause zu erhöhen und Stürze zu vermeiden, ist es wichtig, vor allem nachts den Weg ins Bad gezielt zu beleuchten. Häufig wird kein Licht eingeschaltet, da das Deckenlicht zu hell oder der Weg zur Toilette bekannt ist. Doch im Dunkeln ist die Orientierung beeinträchtigt. Fußbodenleisten mit einem LED-Lichtstreifen leuchten den Raum sanft aus und blenden nicht. In Verbindung mit einem Bewegungsmelder aktiviert sich das Licht automatisch und geht nach vorab eingeschalteter Zeit ebenso automatisch aus. Solche LED-Fußbodenleisten sind in zahlreichen Baumärkten verfügbar und schnell eingebaut. Wenn Sie keine neuen Fußbodenleisten verbauen wollen, können Funk-Steckdosen-Empfänger eine Lösung sein. Über Empfänger der Firma Eldat Link können beliebige Geräte wie zum Beispiel vorhandene Nachttischlampen über einen separaten Schalter in Bettnähe oder einen Bewegungsmelder angeschaltet werden.

Sicher zu Hause altern

Mit zunehmendem Alter verkleinert sich der Bewegungsradius um die Wohnumgebung, doch gleichzeitig steigt das Bedürfnis nach Sicherheit. Auch Angehörige wünschen sich, dass es ihren Eltern gut geht und sie in Notsituationen schnell Hilfe erhalten. Technische Assistenzsysteme wie Sturzerkennungssysteme, Aktivitätsmonitoring, intelligente Lichtsteuerung und elektrische Fensterschließsysteme können helfen, in Sicherheit zu Hause zu altern. mehr

Sturzerkennung

Die Sicherheit und Gesundheit zu Hause kann durch Stürze eingeschränkt werden. Untersuchungen zeigen, dass rund 30 Prozent der über 65-jährigen mindestens einmal pro Jahr stürzen. Im Alter haben sich häufig die Balance- und Gehfähigkeiten verschlechtert, wodurch die Gefahr von Stürzen vor allem in alltäglichen Situationen steigt. Technische Assistenzsysteme mit Sturzerkennung können helfen, Stürze rechtzeitig zu erkennen. Um einen solchen zu erkennen, muss die Person das Gerät am Körper, z. B. in Form einer Uhr, tragen, in Form eines Smartphones bei sich haben, oder ein Sturzerkennungssensor muss in Form einer Matte oder als Sensorgerät an der Wand des Raumes installiert werden. Bei vielen Hausnotrufanbietern können ergänzend Sturzsensoren, die man am Körper trägt, hinzugebucht werden. Wenn der Sturzsensor nicht mit einem Dienstleister verbunden ist, werden vorab eingespeicherte Telefonnummern der Angehörigen vom System angerufen. Eine Alternative ist der Sturzsensor in Form einer Uhr bspw. von der Firma Bembu Link. Die Uhr kann darüber hinaus auch als Ortungssystem und mobiles Notrufsystem genutzt werden. In einem Notfall kann über die integrierte Freisprecheinrichtung mit der hilfebedürftigen Person gesprochen werden. Die Nutzung des Gerätes ist an eine kostenpflichtige Servicedienstleistung gekoppelt, um Notrufe und Positionsabfragen zu ermöglichen. Andere Sturzerkennungssysteme wie Grannyguard Link werden unauffällig an der Wand installiert. Das System erkennt unterschiedliche Gefahren neben Sturz, nämlich schlechtes Raumklima, Brände und Inaktivität der Person. Hilfebedürftige müssen selbst nichts aktiv bedienen. Um Stürze zu verhindern, ist das Produkt als Lichtschalterersatz entwickelt worden. Deshalb verfügt es über einen Helligkeitssensor, der bei Dunkelheit ein Licht zur Orientierung bietet. Die Erkennung eines Sturzes über den gesamten Raum funktioniert über eingebaute Thermosensoren, die die Körperwärme der Menschen wahrnehmen. Das Gerät ist keine Kamera und erfasst keine Gesten und Körperpartien. Im Notfall werden an vorab eingespeicherte Personen Kurznachrichten oder Sprachanrufe versendet. Wenn eine Person häufig aus dem Bett fällt, können Sturzmatten wie Safefloor von der Firma Rölke Pharma helfen Link. Die Sturzmatten werden häufig vor das Bett gelegt: Fällt eine Person auf die Matte, wird ein Alarm ausgelöst und Angehörige werden informiert.

Aktivitätsmonitoring

Auch pflegende Angehörige und Menschen, die ihre Eltern betreuen, wünschen sich technische Systeme, die kritische Situationen automatisch erkennen sowie an Angehörige und Betreuende Alarme weiterleiten. Viele Angehörige kümmern sich um die älteren Lieben, doch das ist nicht immer einfach umsetzbar, da sie noch arbeiten oder weiter entfernt wohnen. Hier können technische Assistenzsysteme helfen. Je nach Bedarf werden in der Wohnung des zu betreuenden Bewegungs- und Kontaktsensoren sowie weitere technische Hilfsmittel wie Herdabschaltungen und Sturzsensoren über eine Basisstation verbunden. Diese Basisstation überträgt die Signale auf eine App für Smartphone und Tablet, unabhängig vom Ort. Dabei wird nur ein Zustand übertragen, das heißt, ist Bewegung in der Wohnung und keine Herdabschaltung wurde aktiviert, dann sieht der Angehörige den Zustand in Form eines grünen Ampelzeichens oder einem grünen Smiley. In Gefahrensituationen wechselt die Farbe nach Rot. Durch diese Darstellungsform werden kaum persönliche Daten übertragen und es besteht nicht die Gefahr einer Überwachung durch Angehörige. Gleichzeitig entlastet es die Angehörigen, wenn sie wissen, bei Mutter oder Vater ist alles in Ordnung. Produkte wie von der Firma Escos Automation Link bieten solche Lösungen. Dazu werden je nach Bedarf Sensoren und andere technische Assistenzsysteme zusammengestellt und in der Wohnung installiert. Verändert sich der Bedarf, kann die Technik im Sinne eines Baukastensystems ergänzt werden. Diese Systeme werden per Kabel oder Funk miteinander über eine Basisstation verbunden. Die Basisstation wird an das Internet angeschlossen. Ist (noch) kein Internet vorhanden, wird in die Basisstation eine SIM-Karte eingebaut. Das Produkt lernt mit der Zeit den Tagesrhythmus. Steht eine ältere Person morgens immer spät auf, löst das System keinen Alarm aus, nur weil der Bewegungssensor im Wohnzimmer keine Bewegung registriert. Ziel ist es, Unregelmäßigkeiten wie z. B. einen Sturz zu erkennen und schnell einen Alarm abzusetzen. Diese Alarme können Angehörige erhalten oder ein Hausnotrufanbieter. Wohnt der Angehörige in der Nähe der älteren Person, ist eine Unterstützung in der Gefahrensituation eine Option, alternativ ein Dienstleister, der vor Ort unterstützt. Das Produkt der Firma Iocare Link bietet für Angehörige neben der Meldung auf dem Smartphone eine farbige Leuchte an. Leuchtet die kleine Lampe grün, ist alles in Ordnung und die ältere Person in Sicherheit. Die Einrichtung der Geräte wird mehrheitlich von den Anbietern übernommen. Auch die Wartung der Geräte erfolgt über die Anbieter. Dafür zahlen Angehörige monatlich eine Servicepauschale.

Intelligente Lichtsteuerung

Mit intelligenten LED-Lampen wie von Philips Hue Link können Sie Ihr Zuhause nach Ihren eigenen Wünschen beleuchten und dimmen, mit farbigen LED-Lampen sogar in unterschiedlichen Farben. Zudem können Sie die Lichtintensität und den Farbton über intelligente Lichtschalter per App auf dem Smartphone und wenn vorhanden über eine Sprachsteuerung mittels Sprachbefehl an- und ausschalten. Davon profitieren auch Menschen mit Geheinschränkungen, da der Weg zum An- und Ausschalten des Lichts nicht notwendig ist. Aus 16 Millionen Farben können Sie für einzelne Räume Lichtszenarien anlegen, z. B. helleres Licht für das Lesen von Zeitungen und wärmere Farben beim entspannten Fernsehen abends. Mit intelligenten Lichtsteuerungssystemen können auch Routinen ohne umfassendes Technikwissen erstellt werden. Je nach Einstellung können diese Routinen helfen, die Sicherheit zu Hause zu erhöhen. Sind die LED-Lampen im Schlafzimmer installiert, können diese über einen optionalen Bewegungsmelder in Bettnähe automatisch nachts das Licht sanft anschalten, wenn Sie ins Bad gehen. Die Ausleuchtung der Wege in der Wohnung kann Stolpern und Stürze effektiv verhindern. Denn gerade auf den Weg zum Bad stürzen viele ältere Menschen. Die intelligente Lichtsteuerung hilft auch bei besserem Aufwachen, wenn Sie die Technik als Lichtwecker einsetzen. Mit zunehmend warmem Licht wird der Sonnenaufgang simuliert und durch die ansteigende Helligkeit im Raum das Schlafhormon Melatonin nicht weiter ausgeschüttet. Damit wird das sanfte Aufwachen erleichtert.
Das intelligente Licht kann auch vor Einbrüchen schützen: In Deutschland wird alle paar Minuten in Haushalte eingebrochen. Mit intelligenten Lampen wie von Philips Hue kann dagegen Anwesenheit simuliert werden, was Einbrechern das Ausspioniereneines Hauses auch bei Abwesenheit der Bewohner schwer macht. Die Lampen simulieren Anwesenheit durch zufälliges An- und Ausschalten über den Tag hinweg, oder sie simulieren mit einer speziellen Funktion die Lichtbewegung beim Fernsehen.

Elektrische Fensteröffner

Elektrische Fensteröffner wie Winflip Link helfen, Ihre Fenster automatisch zu kippen. Nach eingestellter Zeit oder nach Erreichen einer bestimmten Raumtemperatur schließt sich das Fenster wieder automatisch. Der Schwung zum Schließen des Fensters kann stufenlos eingestellt werden. Der elektrische Fensteröffner unterstützt dabei, die Luftqualität im Raum zu verbessern und vermeidet ein Auskühlen oder Überhitzen des Raumes. Letzteres unterstützt ältere Menschen, da bei ihnen das Temperaturempfinden vermindert ist. Zudem können durch das automatische Öffnen und Schließen auch schwerere und höherliegende Fenster wie z. B. im Bad bedient werden. Menschen mit Geheinschränkungen sowie mit einem Rollator oder Rollstuhl benötigen durch elektrische Fensteröffner keine Unterstützung mehr. Das erhöht das selbstbestimmte und selbstständige Leben zu Hause. Auch die Gefahr von Einbrüchen wird gesenkt, da Fenster nicht unabsichtlich geöffnet bleiben, wenn Sie die Wohnung verlassen. Die zusätzliche Verriegelung durch den elektrischen Fensteröffner erhöht zudem noch den Einbruchschutz. Des Weiteren können elektrische Fensteröffner auch Menschen mit Demenz unterstützen, da diese nicht mehr vergessen können, offene Fenster zu schließen. Wenn ein Pflegegrad vorliegt, können diese Systeme im Rahmen von wohnumfeldverbessernden Maßnahmen nach § 40 SGB XI von Pflegekassen erstattet werden. Elektrische Fensteröffner können auch in ein vorhandenes Smart Home-System eingebunden werden. Produkte wie WinMatic Link bieten die gleichen Funktionen wie oben beschrieben, doch durch die Einbindung in ein Smart Home kann das Öffnen und Schließen auch über eine App oder per Sprachbefehl erfolgen. Ist das intelligente Fenster mit einem intelligenten Heizungsthermostat verbunden, kann die Raumtemperatur automatisch abgesenkt werden, wenn die Fenster offen sind. Das spart Heizkosten. Zudem kann der Fensterstatus "zu" oder "auf" unabhängig vom Ort auf der passenden App eingesehen werden. Bei Bedarf können die Fenster schnell geschlossen werden, wenn diese bei Verlassen der Wohnung vergessen wurden. Das bietet älteren Menschen und pflegenden Angehörigen Sicherheit.

Finanzierungsmöglichkeiten für den Einsatz von technischen Assistenzsystemen

Die Bundesregierung fördert die Entwicklung technischer Assistenzsysteme durch zahlreiche Förderprogramme, um den Verbleib älterer und teilhabeeingeschränkter Menschen zu Hause zu ermöglichen. Denn: Sie können die Pflege unterstützen und die selbstständige Lebensführung zu Hause stärken. Aus diesen Gründen ist anzunehmen, dass auch die Kranken- und Pflegeversicherung technische Assistenzsysteme im Bedarfsfall finanziert. Doch die Realität sieht anders aus. Hinzu kommt, dass technische Assistenzsysteme nicht immer preisgünstig sind.

Patrick Ney gibt Ihnen mit dem folgenden Beitrag Orientierung im Dschungel der Finanzierung von AAL-Systemen und digitalen Hilfsmitteln.

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Die Pflegeversicherung soll mit ihren Leistungen nach § 3 Satz 1 SGB XI die häusliche Pflege stärken. AAL-Systeme können das Bedürfnis eines pflegebedürftigen Menschen erfüllen, möglichst lange zu Hause zu bleiben. Sturzsensoren, Herdabschaltungen und Notrufsysteme bieten die Chance, in Kombination mit ambulanten Pflegediensten den Aufenthalt in einem Alten- und Pflegeheim zu verzögern oder sogar zu verhindern. Zudem können technische Assistenzsysteme die Pflege unterstützen und die selbstständige Lebensführung zu Hause stärken sowie die Abhängigkeit von Pflegepersonen bspw. durch pflegende Angehörige reduzieren.

Dennoch sind AAL-Systeme nicht flächendeckend etabliert und werden nur in Einzelfällen von Sozialleistungsträgern erstattet bzw. bezuschusst. Eine Rechtsgrundlage zur Finanzierung technischer Assistenzsysteme in Deutschland durch Kranken- und Pflegeversicherung gibt es bisher nicht. In der Praxis zeigt sich, dass Anträge auf technische Assistenzsysteme bei Kranken- und Pflegeversicherung häufig abgelehnt werden. Neben der Möglichkeit, Widerspruche einzulegen, kann man auch auf dem Klageweg eine Erstattung einfordern. Einzelfälle zeigen, dass eine Finanzierung von technischen Assistenzsystemen möglich ist. So hat z. B. das Landessozialgericht Niedersachsen entschieden, dass die Kosten für eine GPS-Armbanduhr für einen jungen Mann mit einer geistigen Behinderung von der Krankenkasse als Hilfsmittel nach §33 SGB V übernommen werden müssen. Argument war, dass erst durch das GPS-System der Person eine freie Bewegung im nahen Umfeld ermöglicht werden konnte. Link Von solchen Urteilen könnten auch Menschen mit Demenz und deren pflegende Angehörige profitieren.

Finanzierungmöglichkeiten und Hintergründe

  1. Eigenmittel
  2. Geräte mit Hilfsmittelnummer
  3. Mietpauschalen für Geräte
  4. Kreditanstalt für Wiederaufbau
  5. Kranken- und Pflegeversicherung
  6. Gesetzliche Grundlagen

Eigenmittel

Anschaffungskosten einzelner technischer Assistenzsysteme betragen zwischen 200 Euro und 800 Euro, teilweise zuzüglich monatlicher Kosten für Service, Installation, Wartung und Internetvertrag. Bei verschiedenen Beeinträchtigungen werden häufig mehre Geräte benötigt, was sehr kostenintensiv sein kann. Perspektivisch sollen mehre AAL-Systeme in der Wohnung untereinander vernetzt sein und miteinander kommunizieren können. Des Weiteren muss in einer smarten Wohnung bedingt durch unterschiedliche Vernetzungsstandards unterschiedlicher Geräte eine einheitliche Kommunikationsbasis erst einmal eingerichtet werden. Eine herstellerunabhängige Vernetzung kostet weitere mehrere tausend Euro.

Untersuchungen von Fachinger et. al. (2012) belegen eine private Zahlungsbereitschaft von bis zu 20 Euro pro Monat. Für nachhaltige Geschäftsmodelle von Anbietern ist dies jedoch zu wenig. Die Beratungspraxis der Technikberatung Hannover zeigt eine vielfach höhere Zahlungsbereitschaft von pflegenden Angehörigen, wenn technische Assistenzsysteme das Pflegearrangement entlasten. Doch unter Berücksichtigung von Effekten wie ansteigender Altersarmut und geringen Renten sollten Eigenmittel nicht die die primäre Finanzierungsquelle technischer Assistenzsysteme bleiben. Dieses könnte bestehende soziale und gesundheitliche Ungleichheiten verstärken.

Geräte mit Hilfsmittelnummer

Die Mehrheit der technischen Assistenzsysteme ist nicht als erstattungsfähiges Hilfsmittel im Hilfsmittelverzeichnis der Kranken- und Pflegeversicherung gelistet. Damit besteht auch kein Anspruch auf Kostenerstattung. Das Hilfsmittelverzeichnis ist rechtlich nicht bindend, doch es spiegelt die Leistungspflicht der Kranken- und Pflegeversicherung wider. Einige technische Assistenzsysteme sind Teil des (Pflege-)Hilfsmittelverzeichnisses. Hierzu zählen u. a. Rauchmelder für Gehörlose, oder Lichtsignalanlagen informieren Menschen mit Höreinschränkungen über das Klingeln von Haustür oder Telefon durch einen Lichtblitz. Verzeichnet sind auch elektrische Aufstehhilfen zur Erleichterung des Auf- und Hinsetzens in den Sessel bzw. Sofa sowie (Haus-)Notrufsysteme, um einen Dienstleister in Gefahrensituationen schnellstmöglich zu informieren. Ebenso sind elektrische Lupen zur Vergrößerung von Schriftgut sowie Anpassung des Kontrastes erstattungsfähig – teilweise sogar mit Vorlesefunktion. Bei medizinischer Voraussetzung können Fachärzte diese beschriebenen Geräte auf Rezept verschreiben. Die ärztliche Verordnung und ein Kostenvoranschlag zum Einbau des Gerätes sind Grundlage der Finanzierung. Übersichten wie das Webportal des Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV) Link und Übersichten von Herstellern wie der Firma Humantechnik Link unterstützen bei der Refinanzierung. Es können auch technische Assistenzsysteme ohne Hilfsmittelnummer erstattet werden, wenn diese notwendig, ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind. Bei Ablehnung lohnt es sich, Widerspruch einzulegen oder über den Klageweg die Kostenübernahme zu versuchen. Beratungsorganisationen und spezialisierte Anwälte helfen hierbei.

Mietpauschalen für Geräte

Einige Anbieter von technischen Assistenzsystemen bieten neben der Kaufoption auf Nachfrage auch eine Mietoption der Geräte an. Die finanzielle Belastung der teuren Einmalanschaffung wird auf mehrere Monate verteilt. Zum Teil geht das Gerät nach Erreichen des einmaligen Kaufpreises in den Besitz der Käuferin/des Käufers über. Ergänzend dazu werden auf Gebrauchtportalen AAL-Systeme wie automatische Herdabschaltungen zu günstigeren Preisen verkauft. Ein Einbau der Geräte durch eine Fachfirma ist dennoch nötig.

Darlehen und Investitionszuschüsse der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau bietet in ihrem Programm „Altersgerecht Umbauen“ zwei Varianten zur altersgerechten baulichen Anpassung von Wohnraum. Zum einen das zinsgünstige Darlehen mit einem maximalen Kreditbetrag von 50.000 Euro. Diese Variante ist unabhängig von Alter, Einkommen und vorhandenen Pflegegrad. Link Zum anderen gibt es für Privatpersonen die Variante des Zuschusses bis zu 6.250,- Euro bei Barrierereduzierung, ebenfalls unabhängig vom Alter. Link Auch als Investitionszuschuss unterstützt das Programm „Einbruchschutz“ mit bis zu 1.600,- Euro Maßnahmen zum Schutz vor Einbrüchen. Link Allerdings ist das Kontingent der Investitionszuschüsse limitiert und kann in dem entsprechenden Jahr bereits verbraucht sein. Die Förderprogramme unterstützen neben der baulichen Anpassung die Anschaffung von ausgewählten technischen Assistenzsystemen. Das Programm „Altersgerecht Umbauen“ fördert den Einbau oder die Erweiterung von baugebundenen AAL-Systemen sowie Smart ­Home-Anwendungen. Das umfasst u. a. Not-, Ruf- und Unterstützungssysteme, Geräteabschaltungen, intelligente Türschlösser, Sturz- und Bewegungsmelder oder Lichtsteuerungssysteme zur besseren Orientierung. Der Investitionszuschuss „Einbruchschutz“ fördert vor allem Smart Home-Systeme mit Einbruchmeldefunktionen wie z. B. Tür- und Fensterkontaktsensoren und Alarmsysteme.

Kranken- und Pflegeversicherung

Bisher werden AAL-Systeme und kleinere technische Hilfsmittel nur in Einzelfällen von Sozialleistungsträgern erstattet bzw. bezuschusst. Angehörige und Betroffene profitieren dadurch meist nicht von den Chancen technischer Assistenzsysteme. Dabei müssen es nicht immer komplexe technische Assistenzsysteme wie eine automatische Sturzerfassung sein. Kleinere technische Hilfsmittel wie eine automatische Herdabschaltung können auch ihre Wirkung im Alltag entfalten. Eine Rechtsgrundlage zur Finanzierung technischer Assistenzsysteme in Deutschland durch Kranken- und Pflegeversicherung gibt es bisher nicht. Deshalb hat der Bundesverband Verbraucherzentrale ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Link
Das Gutachten zeigt, dass grundsätzlich alle sechs betrachteten technischen Assistenzsysteme erstattungsfähig sind, da sie einen pflegerischen Mehrwert für Pflegebedürftige und Pflegende erfüllen. Die untersuchten AAL-Systeme waren Wendebetten, Ortungssysteme mit integriertem Notruf, Sturzerkennungssysteme, Abschaltungssysteme für Haushaltsgeräte, Erinnerungsgeräte für Nahrung und Flüssigkeitsaufnahme sowie eine digitale Anwendung zur Verbesserung körperlicher und kognitiver Fähigkeiten. Als gesetzliche Anforderung an erstattungsfähige Hilfsmittel gilt, dass diese den Erfolg einer Krankenbehandlung sichern, einer drohenden Behinderung vorbeugen oder einen Behinderungsausgleich ermöglichen. Technische Assistenzsysteme können diese Anforderungen erfüllen. Dennoch dürfen finanzierte Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenversicherung und Pflegehilfsmittel der Pflegekassen „nicht zu­gleich auch Gegenstände des täglichen Lebens“ sein. Die Mehrheit der technischen Assistenzsysteme erfüllt allerdings diese Bedingung nicht. Damit werden diese auch nicht als Regelleistung finanziert.

Gesetzliche Grundlagen zur Finanzierung und Einordnung

Dennoch könnten folgende gesetzliche Regelungen bei der einzelfallbezogenen Finanzierung technischer Assistenzsysteme helfen:

§ 40 Abs. 4 SGB XI wohnumfeldverbessernde Maßnahmen

Es werden die drei Gruppen von Maßnahmen aufgezeigt, die anerkannt sind und als AAL-Systeme die Anforderungen erfüllen:

  • Maßnahmen zur Anpassung der Wohnumgebung an die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen bspw. durch Treppenlifte, die in einer anderen Wohnumgebung nicht zwingend benötigt werden: AAL-Systeme erfüllen diese Anforderung nicht, da diese unabhängig von der Wohnumgebung eingesetzt werden können.
  • Maßnahmen, die wesentlich in die Bausubstanz eingreifen und dauerhaft bleiben bspw. Türverbreitungen: AAL-Systeme erfüllen diese Anforderung nicht.
  • technische Hilfen im Haushalt wie die individuelle Anpassung von elektrischen Hängeschränken in der Küche: AAL-Systeme können auch technische Hilfen im Haushalt sein. Doch die Systeme müssen nach den gelten Regelungen bei einem Umzug in der Wohnung verbleiben und können nicht mitgenommen werden.

Damit sind technische Assistenzsysteme nach § 40 Abs. 4 SGB XI derzeit nicht erstattungsfähig.

§ 47 Abs. 1 SGB IX Hilfsmittel und § 33 Abs. 1 SGB V der Krankenkassen
Im Rahmen medizinischer Rehabilitation haben Menschen mit Behinderungen Anspruch auf Hilfsmittelversorgung. Die Krankenversicherung erstattet Hilfsmittel, wenn sie

  • einer drohenden Behinderung entgegenwirken,
  • den Erfolg der Heilbehandlung sichern, oder
  • eine Behinderung ausgleichen, um die Grundbedürfnisse des täglichen Lebens zu erfüllen.

AAL-Systeme erfüllen diese Anforderungen in der Regel nicht, denn sie helfen nicht bei der Erfüllung von Grundbedürfnissen des täglichen Lebens oder gleichen keine Behinderung aus, indem sie eingeschränkte Körperfunktionen durch Nutzung der nicht beeinträchtigten Körperfunktion ausgleichen. Als Beispiel für ein erstattungsfähiges Produkt führt das Gutachten die Produkterkennung mit Sprachausgabe für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen auf. Die Sehbeeinträchtigung wird durch das Hören ausgeglichen. Auch Hilfsmittel nach & 33 Abs. 1 SGB V sind derzeit nicht erstattungsfähig, weil Krankenkassen den Begriff der Hilfsmittel eng auslegen. Grund für diese enge Auslegung ist, dass es sich nach ihrer Einschätzung bei AAL-Systemen um allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens handelt. Der oben beschriebene Fall des Landessozialgerichts Niedersachsen zeigt, dass AAL-Systeme neue Chancen für die Betroffenen bieten und dennoch finanziert werden können.

§ 76 SGB IX Leistungen zur Sozialen Teilhabe
Menschen mit Behinderungen haben einen Anspruch auf Leistungen zur sozialen Teilhabe. Nach § 76 SGB IX gibt es bspw. Assistenzleistungen: Dabei unterstützt oder berät eine persönliche Assistenzkraft bei einer selbstbestimmten Alltagsbewältigung und Tagesstrukturierung. Durch den Einsatz technischer Assistenzsysteme könnte diese menschliche Unterstützung reduziert werden. Damit erfüllen AAL-Systeme nicht die bestehenden Anforderungen an Leistungen zur Sozialen Teilhabe und sind kein Argument zur Erstattung.

§ 64d SGB XII Pflegehilfsmittel
Pflegebedürftige Personen haben Anspruch auf Hilfe zur Pflege, wenn sie oder ihre nicht getrenntlebenden Ehegatten oder Lebenspartner die benötigen Mittel nicht durch eigenes Einkommen oder Vermögen aufbringen können. Die Sozialhilfe greift nur, wenn kein anderer Sozialleistungsträger zur Erstattung der Pflegehilfsmittel verpflichtet ist. Zum Anspruch auf Hilfe zur Pflege wird der Hilfsmittelbegriff nach § 40 Abs. 1 SGB IX der Pflegeversicherung verwendet. Nach § 40 Abs. 1 SGB IX sollen Hilfsmittel die Pflege erleichtern, Beschwerden des Pflegebedürftigen lindern und eine selbstständigere Lebensführung ermöglichen. Bisher vertreten Pflegekassen in Bezug auf Pflegehilfsmittel eine enge Auslegung der Anforderungen. Grund für diese enge Auslegung ist, dass es sich nach ihrer Einschätzung bei AAL-Systemen um allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens handelt. Nach dem Gutachten des Bundesverbandes Verbraucherzentrale könnten AAL-Systeme bei weiterer Auslegung des Begriffs Pflegehilfsmittel nach §40 Abs. 1 SGB XI sein. Doch bisher gibt es kaum Rechtsprechung dazu, so dass Personen ihren Anspruch auf Pflegehilfsmittel bei einem Sozialgericht einklagen müssen. Das zieht vermutlich ein langjähriges gerichtliches Verfahren mit ungewissen Ausgang nach sich. Dies würde den Pflegebedürftigen und den Angehörigen wenig helfen.

§ 71 SGB XII Altenhilfe
Älteren Menschen soll Altenhilfe gewährleistet werden, um Beeinträchtigungen des Alter(n)s zu verhüten, zu überwinden, zu mildern und die Möglichkeiten zu erhalten, selbstbestimmt am Leben in Gemeinschaft teilzunehmen sowie die Fähigkeiten zur Selbsthilfe zu unterstützen. Leistungen der Altenhilfe sind Beratung und Unterstützung bei Themen wie z. B. Pflege, Wohnformen oder Dienstleistungen, um mit nahestehenden Personen den Kontakt zu ermöglichen. Nach der Gesetzeslage sind AAL-Systeme noch keine reguläre Leistung der Altenhilfe. Einige AAL-Systeme wie ein Hausnotrufsystem oder eine Sturzerkennung können dazu beitragen, altersbedingte Komplikationen zu verhüten oder zu mindest abzumildern und Schwierigkeiten zu überwinden. Auch angepasste Oberflächen für Tablets mit einfachen Funktionen zur Kommunikation und Vernetzung wie Videotelefonie könnten förderfähig sein, da sie Kontakte ermöglichen und Einsamkeit verringern. Dennoch sollte die Fokussierung nicht nur auf der Erreichung eines bestimmten Lebensjahres liegen, denn nicht alle älteren Menschen sind von Krankheit betroffen. Gutachten des Bundesverband Verbraucherzentrale zufolge ist die Erstattung durch Sozialhilfeträger im Rahmen von Altenhilfe bisher kaum möglich.

Fazit
Für eine Erstattung durch die Kranken- und Pflegekassen sollten die rechtlichen Rahmenbedingungen angepasst und AAL-Systeme gesetzlich definiert werden. Es sollten nur AAL-Systeme erstattet werden, die einen pflegerischen Nutzen haben. Hier können Wirkungsstudien zu den Produkten unterstützen. Für die Refinanzierung durch Kostenträger sollten nicht die Technologien im Fokus stehen, sondern der pflegerische Mehrwert für das Individuum. Dabei sollten Produktkategorien wie Smart Home-Systeme nicht ausgeschlossen werden. Ein Sprachsteuerungssystem als Teil des Smart Home kann für nicht eingeschränkte Personen den Wohnkomfort steigern. Für eine pflegebedürftige Person kann eine Sprachsteuerung in Kombination mit einem Hausnotruf die pflegerische Situation unterstützen, ohne dass Nutzende umfangreiche digitale Kompetenzen benötigen. Zudem kann durch digitale Hilfsmittel die Lebensqualität von Betroffenen und pflegenden Angehörigen gesteigert werden.

Entscheidungen des Landesozialgerichts Niedersachsen im Jahr 2019 zur Erstattung einer GPS-Uhr für einen geistig behinderten Menschen machen Mut. Doch das sind noch Einzelfälle. Wenn technische Assistenzsysteme bzw. AAL-Systeme nicht in die Regelversorgung der Kranken- und Pflegekassen aufgenommen werden, bleibt das Potential zur Unterstützung eines selbstbestimmten und selbstständigen Lebens hinter seinen Möglichkeiten zurück. Ferner können sich nur wenige Menschen in der Bevölkerung teure Assistenzsysteme leisten. Zudem zeigt sich mit zunehmendem Alter mehr als nur eine Einschränkung, und es werden mehrere teure AAL-Systeme benötigt. Weiterhin wird durch die fehlende Finanzierung von Sozialleistungsträgern mutmaßlich der frühere Einzug in eine stationäre Pflegeeinrichtung gefördert. Ältere, die kognitiv kaum beeinträchtigt sind, aber regelmäßig in ihrer eigenen Wohnung stürzen, müssen gegen ihren Wunsch in ein Alten- oder Pflegeheim, um besser versorgt zu werden. Dies widerspricht den beschriebenen Grundsatz des § 3 SGB XI nach ambulanter Betreuung und Pflege zu Hause und das, obwohl die Technik bereits heute zahlreiche Chancen bietet. Moderne Sturzsysteme können Gangunsicherheiten vor dem Sturz erfassen, und Sensoren im Raum erfassen Stürze auch in der Nacht innerhalb weniger Sekunden und alarmieren ohne manuelles Drücken eines Notrufknopfes Hilfe.

Um diese Chancen für die alternde Gesellschaft zu nutzen, forderte eine Initiative mehrerer Bundesländer den Bundesrat auf, eine einheitliche gesetzliche Finanzierungsgrundlage, ein standardisiertes Anerkennungsverfahren für Produkte sowie Infrastrukturen zur Beratung zu schaffen. Denn ganz abgesehen von den Herausforderungen der Finanzierung ist die Mehrheit der technischen Assistenzsysteme in der Bevölkerung unbekannt.

Hintergründe - Was gibt es noch?

"Technikberatung für ältere Menschen und Angehörige“, Birgit Apfelbaum, Nina Efker und Thomas Schatz, Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V.
Broschüren für AAL-Elektroinstallationen (GED Gesellschaft für Energiedienstleistung): "Elektroinstallation im AAL-Umfeld" pdf und "Elektroinstallation für Multimedia-Anwendungen" pdf
Vorträge des Fachtages des Niedersachsenbüros "Technik zum Wohnen – Motivationen, Erwartungen, Realität" 2016 in Vechta
Erfahrungen und Tipps zum Thema "Sprachassistenten" Link mehr

Technik für Zuhause: "Von der allgemeinen Lebensunterstützung bis zur Pflege“ Überblick Christine Weiß, VDI/VDE Innovation + Technik GmbH Berlin pdf
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Gespräch, Vorstellung Netzwerk „Geniaal“ Sina Pollex, LINGA & Martin Schnellhammer, Living Lab, Osnabrück pdf
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