Unterstützung im Alltag durch Technik

Alte und neue Technologien können das Leben erleichtern. Es gibt viele technische Möglichkeiten und Dienstleistungen, die das Alltagsleben von Menschen insbesondere von älteren erleichtern und für mehr Sicherheit sorgen. Das kann beispielsweise eine Uhr mit Falldetektor sein, die Angehörige bei einem Sturz benachrichtigt oder eine automatische Herdabschaltung, die sich bei Überhitzung abschaltet. Technische Unter-stützungssysteme helfen nicht nur älteren Menschen, sondern auch Menschen mit Behinderungen oder pflegende Angehörigen.

Produktübersichten

Wegweiser Alter und Technik Link
Technik Handbuch (Kommunaler Seniorenservice Hannover) pdf 
Geräte-Wiki: Nach Anwendungsfällen sortiert, werden verschiedene technischen Alltagshelfer aufgezeigt. Link
Datenbank "Digitale Quartiere in Recklinghausen": Link
Technische Produkte zur Unterstützung von Menschen mit Demenz (Demenzsupport) pdf

Virtuelle Musterwohnungen und Filme

Musterwohnung mit dem Schwerpunkt Technik: Smarte Musterwohnung Hannover Link
Musterwohnung ALADIN (Alltagsunterstützenden Assistenzsystemen mit Dienstleistungen) Link
Einstiegsfilm Vernetztes Wohnen im Quartier: Link
Weitere Musterwohnungen sowohl digital als auch vor Ort Sie hier Link

Wo gibt es Information und Beratung?

In Niedersachsen gibt es kein flächendeckendes Netz für Technikberatung. Fragen Sie in den Wohnberatungsstellen Link oder Musterwohnungen Link  nach, ob eine Technikberatung angeboten wird oder ob sie Technikberatung vermitteln  können. Darüber hinaus bietet das Niedersachsenbüro Fortbildungen rund um das Thema Wohnberatung an.  Link mehr

In Hannover Link und LK Verden Link gibt es spezielle Technikberatung.

 

 

Anwendungsfälle für den Einsatz von Technik

Patrick Ney vom Kommunalen Seniorenservice Hannover stellt an konkreten Fallbeispielen dar, wie Technik den Alltag erleichtern kann. Weitere Beispiele folgen. Technik kann sehr hilfreich sein, darüber hinaus ist aber auch zu bedenken, welche herkömmlichen Maßnahmen hilfreich(er) sein können und wie die Technik von den Menschen angenommen wird.

Wie die moderne Technik bei meiner demenziell veränderten Mutter in die Wohnung einzog

Die Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz sind im Alltag nicht immer einfach. Die Erfahrung machte auch Laura. Sie unterstützt ihre demenziell veränderte Mutter und deren Ehemann im täglichen Leben. Die leichte Demenz ihrer Mutter zeigt sich im Alltag an kognitiven Beeinträchtigungen, indem sie sich zeitlich schwierig orientieren kann oder sie immer häufiger den Herd anlässt. mehr

Mit Hilfestellung des Mannes bewältigt die Mutter die täglichen Aufgaben des Haushalts. Nach Arztterminen oder Friseurbesuchen findet sie teilweise nicht allein nach Hause zurück, obwohl sie die gleichen Wege seit über 20 Jahren geht. Dinge, die ihr früher Freude bereiteten wie im Garten arbeiten oder im Chor singen interessieren sie immer weniger. Die Mutter möchte zunehmend häufiger zu Hause bleiben.  

Um die Veränderungen bei ihrer Mutter zu verstehen und zu besprechen, besucht Laura seit einiger Zeit eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Menschen mit Demenz. Solche Gruppen gibt es überall, die Deutsche Alzheimer Gesellschaft kann hier helfen. Neben Wissen zur Erkrankung verstand Laura immer mehr wie es ihrer Mutter geht und dass sie mit dieser belastenden Situation nicht allein ist. In ihrer Angehörigengruppe erfuhr Laura von technischen Assistenzsystemen und einer Technikberatung. Die Technikberatung unterstützt ältere Menschen und Angehörige, passgenaue Lösungen in Form technischer Assistenzsysteme zu finden. Ziel ist es die Selbstständigkeit und Selbstbestimmung der Betroffenen zu erhalten sowie Angehörigen zu entlasten und das Gefühl von Sicherheit zu geben. Angehörigen wie Laura sind technische Assistenzsysteme für zu Hause häufig nicht bekannt.

Laura war Anfangs skeptisch was eine Technikberatungsstelle für sie in der Betreuung ihrer Mutter tun kann. Ihre Mutter ist wenig technikinteressiert und durch ihre Demenz fällt es ihr schwer neue Dinge zu erlernen und mit Veränderungen umzugehen. Moderne Technik als Hilfestellung klingt eher nach noch mehr Verwirrung und Fragen bei demenziell veränderten Menschen. Die Beratungsstelle hat nach einem Gespräch Laura einige technische Assistenzsysteme vorgeschlagen. Um Lauras Mutter, den Ehemann und die Tochter zu unterstützen wurden vier technische Assistenzsysteme ausgewählt, die kein spezielles Technikwissen voraussetzen. Die Technik unterstützt im Hintergrund und benötigt keine aktive Bedienung durch die demenziell veränderte Mutter.

Technik zur zeitlichen Orientierung

Ein digitaler Kalender mit Uhranzeige soll bei der zeitlichen Orientierung helfen. Zudem zeigt der digitale Kalender den Tagesabschnitt wie Tag oder Nacht an. Bei einigen Modellen unterstützt eine Erinnerungsfunktion bei anstehenden Terminen. In der Musterwohnung der Beratungsstelle hat Laura die Seniorenuhr AMC-26 ausprobiert Link Die große Schrift, die analoge Zeitanzeige sowie die Darstellung des Wochentags und des Tagesabschnittes überzeugten Laura. Mit diesem digitalen Hilfsmittel kann die zeitliche Orientierung der demenziell veränderten Mutter unterstützt werden.

Technik zur Erhöhung der Sicherheit

Als weiteres technisches Assistenzsystem zeigte die Technikberatung Laura die automatische Herdabschaltung. Die Mutter kocht mit Hilfestellung durch ihren Mann regelmäßig. Von Zeit zu Zeit hat die Mutter den Elektroherd angeschaltet und diesen vergessen auszuschalten. Bis auf angebranntes Essen ist bisher noch nicht so viel passiert. Aus Sorge wollte die Familie schon den Herd vom Strom trennen damit kein Herdbrand entstehen kann. Essen von mobilen Dienste schmeckten der Mutter und dem Ehemann nicht daher entschied sich die Familie den Herd weiterhin am Strom zu lassen, trotz einem unsicheren Gefühls. Eine automatische Herdabschaltung für den vorhandenen Elektroherd war hier die Lösung. Bei zu hoher Temperatur oder nach einer festen Zeitspanne schaltet der Herd sich automatisch aus. Die Herdabschaltung beobachtet das Kochfeld wenn der Herd angeschaltet wird, ohne weiter Bedienung. Das Modell Elsa der Firma Scanvest Link  besteht aus einer Steuereinheit und einem Hitzesensor. In der Musterwohnung war der Hitzesensor an der Dunstabzugshaube montiert. Die Steuereinheit wird zwischen Stromversorgung und Herd durch einen Elektriker installiert. Wenn der Sensor der automatischen Herdabschaltung eine ungewöhnliche Hitzeentwicklung wahrnimmt wird der Nutzer mit einem akustischen Signal in Form eines Pieptons informiert. Steigt die Temperatur weiter auf einen kritischen Punkt wird die Stromzufuhr beendet. Nach Stromabschaltung des Herdes kann eine Taste am Hitzesensor gedrückt werden und der Herd kann wie gewohnt weiter genutzt werden. Diese technische Lösung überzeugte Laura schnell zum Einem kann die Mutter weiterhin kochen und zum Anderen ist die Gefahr von Bränden verringert.

Technik zur Ortung

Um Lauras Mutter draußen auf ihren alleinigen Spaziergängen oder Erledigungen, wenn der Ehemann selbst Termine hat, zu unterstützen gibt es Ortungssysteme. Wie beschrieben hat sich die Mutter bereits einige Male verlaufen. Laura kannte Ortung nur vom Navigationsprogramm auf ihrem Smartphone. Ortungssysteme funktionieren im Freien über GPS, dabei wird die eigene Position mit Hilfe von Satelliten bestimmt. Kann die Person nicht geortet werden bspw. in Gebäuden oder zwischen hohen Häusern wird die letzte Position gespeichert. Ortungssysteme für Menschen mit Demenz gibt es in verschiedenen Ausführungen als Uhr, Armband, Mobiltelefon oder extra Geräte für die Jackentasche. Da Lauras Mutter etwas Gehprobleme hat schien die Ortung über einen intelligenten Gehstock am sinnvollsten. Auch bei diesem technischen Hilfsmittel muss Lauras Mutter nichts weiter tun, außer ihn benutzen. Der Smartstick von der Firma Ossenberg Link  hat im Gehstock einen Ortungssensor und eine Mobilfunkkarte verbaut. Über eine eingebaute, aufladbare Batterie wird der Gehstock mit Strom versorgt. Ein Gehstock mit Strom fand Laura beim Ausprobieren erstmal ungewohnt. Neben dem Ortungssensor hat der intelligente Gehstock noch einen Notrufknopf. Bei Auslösen des Notrufknopfes werden die vorab eingespeicherten Angehörigen über die Mobilfunkkarte im Gehstock informiert. Über ihr Smartphone kann Laura die Position ihrer Mutter auf einer digitalen Karte sehen und im Notfall helfen. Mit dem Smartphone hat Laura einen Radius eingestellt, der bis zum Friseur und den Hausarzt der Mutter reicht. Verlässt Lauras Mutter den Radius, häufig als Geofencing bezeichnet, wird sie sofort auf dem Smartphone darüber informiert. Dass Laura ihre Mutter mit dem intelligenten Gehstock im Bedarfsfall orten kann erleichtert sie, gleichzeitig wird die Mobilität der Mutter erhalten.

Technik zur Aktivierung von Menschen mit Demenz

Pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz, wie Laura, fragen sich häufig wie kann die betroffene Person, wie Lauras Mutter, beschäftigt und gleichzeitig aktiviert werden. Letzteres ist wichtig, um bspw. Erinnerungen zu erhalten und das Gedächtnis zu trainieren. Begeistert war Laura von dem Therapieball icho Link. Dieses technische Assistenzsystem leuchtet in mehreren Farben, hat unterschiedliche Strukturen, vibriert und spielt Musik und Klänge ab. Je nachdem was der Nutzer mit dem Ball macht bspw. beim Schütteln reagiert der Therapieball icho anders. Das Gerät hat zehn Anwendungen wie Rätsel, Märchen, Sprichwörter oder Musik installiert. Vor allem die Musikanwendung schien Laura für ihre demenziell veränderte Mutter am geeignetsten. Sie hat früher im Chor gesungen und singt oder summt auch jetzt noch gerne zu bekannten Liedern. Teilweise hat sie den Text der Lieder vergessen. Wenn der intelligente Ball bewegt wird beginnt die Musik, hört die Bewegung auf wird das Lied beendet. Die Lieder können dann mitgesungen werden und helfen beim Vergessen des Textes. Laura hat der Ball Spaß gemacht, auch als nicht demente Person. All diese Anwendungen wecken Erinnerungen und laden zu Gesprächen darüber ein.

Bei Demenz Hilfsangebote nutzen und ausprobieren

Laura war beeindruckt was es alles für technische Assistenzsysteme gibt und dass diese bei Menschen mit Demenz die Orientierung, Sicherheit, Mobilität und Aktivierung unterstützen können. Die Geräte sind zwar nicht alle preisgünstig doch für ihre von Demenz betroffene Mutter und ihre Betreuung hat Laura den digitalen Kalender, die automatische Herdabschaltung, den Gehstock mit Ortungsfunktion und den Therapieball gekauft. Die Geräte wurden von der Mutter sehr gut angenommen, obwohl es neue unbekannte Geräte zu Hause waren. Es sind zwar technische Hilfsmittel doch Lauras Mutter nimmt diese gar nicht als moderne Technik wahr. Die Technik arbeitet im Hintergrund und hilft.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Demenz Link

 

Was gibt es noch?

"Technikberatung für ältere Menschen und Angehörige“, Birgid Apfelbaum, Nina Efker und Thomas Schatz, Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V.
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